News vom 15.07.2010
 

Marktmacht von Handel und Industrie im Gleichgewicht

„Es gibt keine einseitige Nachfragemacht des Handels.“ Das betonte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer beim Handelsver-band Deutschland, in der öffentlichen Anhörung des Bundestages am gestrigen Nachmittag. Die Marktmacht zwischen Industrie und Handel sei im Gleichgewicht. Der Werbedruck führender Markenhersteller zwinge den Handel, immer mehr und immer neue Artikel anzubieten. Genth: „Der Verbraucher wechselt sofort das Geschäft, wenn das gewünschte Produkt nicht im Regal steht.“

Als Indiz für die ausgeglichene Marktmacht wertete Genth auch die hohe Konzentration auf Herstellerseite. „Sechs Pro-zent der Unternehmen verantworten 90 Prozent des Le-bensmittel-Umsatzes“, betonte Genth. Die Verhandlungen würden auf Augenhöhe geführt, zumal anders als beim Einzelhandel „viele Unternehmen nicht auf den Binnenmarkt angewiesen sind und eine hohe Exportquote vorweisen.“ Ein Ungleichgewicht gebe es bei den Umsatzrenditen. Während die Industrie Margen bis zu 30 Prozent erwirtschafte, müsse sich der Lebensmittelhandel mit ein bis drei Prozent zufrieden geben.

Genth wies die Behauptung zurück, der Einzelhandel würde die Lebensmittelbranche durch niedrige Preise zusätzlich unter Druck setzen: „Seit 2005 sind die Preise für Lebensmittel um elf Prozent gestiegen und damit stärker, als die Verbraucherpreise.“ Der Preisauftrieb für die gesamte Einzelhandelsbranche liege dagegen deutlich hinter den Verbraucherpreisen zurück. Das zeige den gut funktionierenden Wettbewerb in Deutschland. „Der Verbraucher profitiert und spart zwei Milliarden Euro pro Jahr“, so Genth.

Das mittlerweile legendär niedrige Preisniveau sei nicht nur Ergebnis des harten Wettbewerbs. Überkapazitäten und eine verfehlte Landwirtschaftspolitik seien wesentlich mit verant-wortlich für diese Entwicklung. Als Beispiel nannte Genth die Milchwirtschaft. Sie leide nicht unter dem Preisdiktat des Handels, sondern unter dem Abbau von EU-Subventionen. Die Bauern müssten nun Milchmengen auf dem freien Markt unterbringen, für die es in Deutschland keinen Bedarf gibt. Das aber sei nicht Sache des Handels.

Politische Eingriffe in den Markt lehnte Stefan Genth in der gestrigen Anhörung ab. Er forderte die Marktteilnehmer auf, gemeinsam Lösungen für die bestehenden Probleme zu erar-beiten: „Die Regulierung von Vertragsgestaltung und Preisen würde für beide Seiten eine empfindliche Einschränkung ihrer Geschäftsfreiheit bedeuten.“


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